Zeitungsartikel aus der HNA vom 25.Oktober 2004. © by HNA / dpa - alle Rechte vorbehalten.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der HNA Redaktion Wolfhagen.

"Erst kratzen, dann zwirbeln"

ZIERENBERG.Angelika Drude wäscht erst einmal die schwarze Schafwolle - sie will lernen, die Wolle der in ihren Ställen stehenden Schafe zu verarbeiten. Jutta Weber versucht sich derweil am Handspulrad, ihr Ziel ist es, das Spinnen zu erlernen. „Anhand von Büchern fällt mir das schwer“, sagt sie. Angelika Cyriax hilft ihr beim Drehen; die junge Frau hat einen Neufundländer zu Hause und will die ausgebürsteten Haare des Hundes verspinnen. Und Christiane Metzler-Bräutigam glaubt, als Vorsitzende einer Spinnstube selber auch am Spinnrad sitzen zu müssen.

Spinnkurs im Zierenberger Rathaus Zwei Tage ist das Foyer im alten Zierenberger Rathaus zur Spinnstube umfunktioniert: Die Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, Jutta Fischer, hatte gemeinsam mit ihrer Tochter Doris eingeladen, an zwei Tagen die alte Handwerkstechnik und den Umgang mit dem Naturmaterial Wolle zu lernen. Auch Edith Meinz meldete sich, um den ganzen Ablauf vom „Schaf zur Wolle“ zu erfahren. „Ich handarbeite gerne, aber spinnen kann ich nicht“, erzählt Brigitte Händler. Mit dem Waschen des Schafflieses beginnt der Kurs. Nach dem Trocknen kommt das Lockern dran und dann das Kardieren: In eine Karde, ein mit Metallhäkchen bestücktes Holzbrettchen, legen die Frauen die ungezupfte Wolle, die sie mit der zweiten Karde durchkratzen. Mit dem langsam drehenden Handspulrad, dem so genannten Dornröschenspinnrad mit der spitzen Spindel, bekommen die Kursteilnehmerinnen ein Gefühl für das Arbeiten mit einem Spinnrad. Erst dann setzen sich die Frauen an das Arbeitsgerät, neben dem ein Knäuel weiße Wolle liegt. Es stamme, so erklärte Jutta Fischer, von gepflegten Muttertieren, deren Fell besonders lang war.

Spinnkurs im Zierenberger RathausWährend des Spinnens konzentrieren sich die Frauen auf den Rhythmus der Spinnradpedale. Die Stille wird nur dann unterbrochen, wenn Jutta und Doris Fischer Hilfestellungen geben. Das Zwirnen, das bedeutet das Verdrehen von zwei Fäden, damit sie verarbeitet werden können, lernen die Frauen auch. Am Ende ist Angelika Cyriax stolz: Sie hat ihr erstes Knäuel gezwirnt.

Zusätzlich zum Spinnen steht noch ein Einführungs-Filzkurs auf dem Programm. Beim abschließenden Kaffeeklatsch werden Erfahrungen ausgetauscht. Das Ergebnis des zweitägigen Seminars Tages fasst Angelika Drude zusammen: „Es hat riesig viel Spaß gemacht.“  (ZJG)


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